Wenn du ehrlich zu dir bist, weißt du es. Womöglich hast du dich bei dieser Sache schon viel zu lange gegen dein Herz gestellt; eisern an Gründen festgehalten, die dagegensprechen, die aber eigentlich nicht wichtig sind. Viele zweifeln von Zeit zu Zeit so sehr wie du. Sie haben alle diese Gründe, die sie manchmal an den Punkt treiben, an dem sie ihr eigenes bemühen oder die ersten Kilometer zu Fuß gehen wollen, um später den Daumen in Richtung eines nahenden Autos auszustrecken.
Einfach nur weg, das wollen viele.
Aber da sind nun mal auch die besonderen, erinnerungswürdigen Sommernächte, die eigentlich keine sind, weil die Dunkelheit sich nur kurzzeitig durchsetzen kann und schon bald wieder vom Licht verdrängt wird. Sie sind erfüllt von heiterem Lachen, das von einer lauen Brise manchmal kilometerweit getragen wird und die Freude auch an andere Orte transportiert. Man singt - ziemlich merkwürdige Lieder - und jeder stimmt mit ein. Manche warten, eine Decke um die Schultern und eine gute Tasse Kaffee in der Hand, mit noch merkwürdigeren, angeblich so passierten Geschichten auf, die amüsante Diskussionen auslösen und die Ausgelassenheit nur noch verstärken. Irgendwann findet man sich am Arm des Sitznachbarn wieder, lach- oder vielleicht auch ein wenig angetrunken und tanzend.
Man feiert die Freundschaft, den Sommer, das Leben.
Und von knisternden Feuern steigen immer wieder Funken in den Himmel, als müssten sie ihm von dem puren Glück erzählen, das man am liebsten wie Glühwürmchen in ein Glas sperren würde, um es für immer bewahren zu können. Niemand denkt in solchen Nächten daran, dass er mit jeder weiteren von ihnen unabdingbar näher kommt. Der
Winter, der aus den kräftigen Farben der grünen Wiesen und Wälder, aus den klaren Seen und Bächen in Windeseile ein Weiß machen wird, das alles einnimmt, das dann für lange Zeit -
oft bis zu acht Monate lang - alles und jeden fest im Griff haben wird. Niemand denkt an die
erbarmungslose Kälte, die es einem oft schwer macht zu atmen, an die Unnachgiebigkeit mit der er herrscht, wie sehr man sich irgendwann seinen Weggang herbeisehnen wird. Jeder weiß um seine Existenz, er gehört zu
Lappland, und obwohl sich die Zeiten geändert haben, fürchtet man ihn noch heute. Man redet für gewöhnlich wenig über ihn, wenn es sich vermeiden lässt. Aber auch die fröhlichste Mittsommernacht hat es noch nicht geschafft, ihn zu vertreiben.
Du hast über die
Einsamkeit nachgedacht, dass du sie manchmal in den Augen derer, denen du begegnest, sehen kannst und sie dich in regelmäßigen Abständen zu ersticken droht. Du könntest die
Ruhe erwähnen, die über diesem
Fleckchen Schweden wohl so sehr liegt wie nirgendwo anders im Land. Nicht selten nimmst du sie als Behäbigkeit, als Langsamkeit wahr, die dir das Gefühl gibt, an einem anderen Ort etwas zu verpassen. Die weiten Wege, die du auf dich nehmen musst, bis du das pulsierende Stadtleben um dich haben kannst. Dass es der Postbote an manchen Tagen nicht bis in den Ort schafft oder die Stromleitungen deinem Gefühl nach häufiger als anderswo unter dem Gewicht der Schneemassen zusammenbrechen. Du könntest alle diese Dinge anführen um zu erklären, dass es nicht so ist. Aber eigentlich macht das keinen Sinn.
Weil du die Weite Lapplands liebst, die Schönheit der Polarlichter, die dir dein Leben lang den Atem rauben wird. Die
Freiheit, die du immer dann spürst, wenn die Sonne tief steht und alles so golden, so kostbar erscheint. Die Rentiere, die nicht selten einfach so den akribisch gepflegten Salat aus dem Frühbeet in deinem Garten fressen. Die
Warmherzigkeit der meisten Einwohner, die erst nach einiger Zeit zum Vorschein kommt, aber ehrlich ist und echt. Diese besonderen Plätzchen irgendwo weit draußen, an denen dich keiner finden wird und du so lange du willst deinen Gedanken nachhängen kannst. Polarfüchse zu beobachten und ihre niedlichen Fußspuren im Schnee zu finden.
Gesellige Abende vor dem Kamin. Das Heimkommen nach einem Spaziergang, der dafür gesorgt hat, dass du nicht mehr jedes deiner Körperteile spüren kannst. Wie sehr man zusammenrückt, wenn es notwendig ist… Wenn du ehrlich zu dir bist, weißt du es eigentlich. Wenn du ehrlich zu dir bist, wirst du es zulassen und es mit einem Lächeln auf dem Gesicht ganz leise flüstern. Und vielleicht wirst du es sogar rufen:
du liebst Gällivare.
Und es ist deine Heimat. Oder es wird zu ihr werden.
Välkommen till Gällivare!
Reallife-RPG in Schwedisch Lappland // L3S2V2 // Szenentrennung